Per Postulat wurde der Stadtrat 2021 aufgefordert, zu prüfen, wie die Landwirtschaft in der Stadt Zürich auf das Netto-Null-Ziel ausgerichtet werden kann.
Zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat die Stadt Zürich eine Klimaschutzstrategie Landwirtschaft ausgearbeitet. Deren Hauptziele: die Reduktion treibhausgasintensiver Aktivitäten (u. a. Gebäude, Maschinen, Bewirtschaftungsart) sowie die Umsetzung kohlenstoffsenkender Massnahmen. Dabei standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wo steht die Landwirtschaft in der Stadt Zürich bezüglich Klimaschutz? Welche Massnahmen sind nötig oder möglich, um Fortschritte zu erzielen? Dazu wurde ein Massnahmenplan erarbeitet, der laufend weiterentwickelt wird.
Es wurden die Treibhausgasemissionen der Stadtlandwirtschaft auf gesamtstädtischer Ebene modelliert und analysiert. Zudem wurde von ausgewählten Landwirtschaftsbetrieben die CO2-Bilanz berechnet, um aufzeigen, wie Klimaschutz im jeweiligen Betriebskontext umgesetzt werden kann. Dafür arbeitete die Stadt Zürich mit den Pächter*innen zusammen.
- Tierhaltung und Pflanzenbau
Ziel ist, die Anzahl Nutztiere (insbesondere Wiederkäuer) langfristig auf dem gesamten Stadtgebiet zu reduzieren – dort, wo es sinnvoll und möglich ist. Pro Betrieb wird gemeinsam mit den Pächter*innen besprochen, ob und in welchem Mass eine Reduktion infrage kommt. - Gebäude
Der Handlungsspielraum von Grün Stadt Zürich ist bei den Pachtbetrieben gross, da die Immobilien im Besitz der Stadt sind und energetische Sanierungen selbst vorangetrieben werden können. Bei den privaten Landwirtschaftsbetrieben ist der Handlungsspielraum für die Stadt geringer. - Erneuerbare Energien
Die Stadt Zürich setzt sich für einen Ausbau erneuerbarer Energie auf verschiedenen Ebenen ein. Für die Landwirtschaft werden zwei Strategieansätze zur Förderung von erneuerbaren Energien verfolgt: Zum einen ist der Einsatz erneuerbarer Energien zu verstärken; zum anderen kann die Landwirtschaft mehr erneuerbare Energie produzieren. - Kohlenstoff speichern
Die Stadtzürcher Landwirtschaft hat das Potenzial, Kohlenstoff (insbesondere kurzfristig) im Boden einzulagern. Der Erhalt von organischer Bodensubstanz, das Grünlandmanagement und der Einsatz von Pflanzenkohle sind wichtige Hebel, um Kohlenstoff im Boden zu speichern.
Detaillierte Angaben zu den Kernmassnahmen der einzelnen Stossrichtungen und laufenden Aktivitäten finden sich im im aktuellen Landwirtschaftsbericht sowie im Netto-Null-Cockpit der Stadt Zürich.
- 2022: Pilotstudie Gutsbetrieb Juchhof
- 2023: Erhebung IST-Zustand der Stadtlandwirtschaft; Definition Szenarien, Handlungsfelder und Kernmassnahmen; Erstellung Forschungsbericht für die Klimaschutzstrategie Landwirtschaft
- Seit 2024 und laufend: Massnahmenplanung und Umsetzung; Beantwortung Postulat
Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde geprüft, welche Klimaschutzmassnahmen der städtische Gutsbetrieb Juchhof umsetzen kann. Der Gutsbetrieb Juchhof setzt bereits erste Massnahmen aus der Klimaschutzstrategie für die Stadtlandwirtschaft um. Seit der Bio-Umstellung werden nur noch Kulturen für die direkte menschliche Ernährung angebaut. Dazu gehören nebst verschiedenen Getreidearten zu Speisezwecken auch Sojabohnen, Kichererbsen, Raps, Senf und Hanf. Für den Aufbau von Humus setzt der Juchhof seit kurzem auch auf den Anbau von Weissklee für die Gewinnung von Saatgut. Die Blattmasse wird dabei auf dem Feld belassen.
Die PW-Flotte ist seit 2023 vollelektrifiziert, und ab Juni 2024 werden die Traktoren anstelle von herkömmlichem Diesel mit hydriertem Pflanzenöl (HVO-Treibstoff) betrieben. Zudem entwickelt Grün Stadt Zürich Agroforstsysteme. Dabei werden Bäume oder Hecken mit landwirtschaftlichen Unterkulturen auf derselben Fläche kombiniert, was einen positiven Effekt auf Artenvielfalt, Bodenerosion, Klima und Ästhetik hat.
Pflanzenkohle wird vielfältig eingesetzt, sei es zur Beimischung in Beton, in Abwasserreinigungsanlagen, zur Bodenverbesserung oder als Futterzusatz in der Landwirtschaft. Zu ihrer Herstellung wird pflanzliche Biomasse verkohlt. Dies geschieht unter hohen Temperaturen und geringer Sauerstoffzufuhr. Dabei entsteht Wärmeenergie als Nebenprodukt.
Pflanzenkohle hat einen hohen Kohlenstoffgehalt. Nach heutigem Wissensstand wird sie als sehr stabil erachtet und dementsprechend nur langsam im Boden abgebaut. Deshalb wird der Pflanzenkohle das Potenzial zur Kohlenstoffsenkung zugesprochen.
Ziel des Versuchs ist es, die Auswirkungen der Pflanzenkohle auf die Ertragsstabilität, die Kohlenstoffspeicherung und den Wasserhaushalt des Bodens unter landwirtschaftlichen Bedingungen zu erforschen. Des Weiteren werden biologische, chemische und physikalische Indikatoren der Bodenqualität überwacht.
2021 wurden erstmals 8 Tonnen Pflanzenkohle pro Hektar auf Flächen des Juchhofs ausgebracht. Bis 2028 wird der Boden jährlich beprobt und analysiert.
Für den Versuch arbeitet Grün Stadt Zürich zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Energie 360° und Agroscope. Das Projekt wird unterstützt vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU).