Im Neumühlequai im Abschnitt Wasserwerkstrasse bis Central wird ein neuer Abwasserkanal zur Hochwasserentlastung gebaut. Im Zuge der Arbeiten werden Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr umgesetzt und eine Bushaltestelle hindernisfrei ausgebaut.
Kanalbau
Die Arbeiten am Neumühlequai sind notwendig, um einen zusätzlichen Mischabwasserkanal zu bauen. Die bestehende Kanalisation ist in diesem Bereich bei Starkregen überlastet. Dies führt zu Rückstau des Abwassers, das sich an zahlreichen Stellen am Limmatquai unterirdisch bis auf Strassenhöhe aufstaut.
Ausserdem gibt es im Neumühlequai mehrere Entlastungsstellen für Hochwasser, die bei starkem Regen verdünntes Abwasser in die Limmat leiten. Ohne den zusätzlichen Kanal springen diese Entlastungen zu früh an, sodass zu stark verschmutztes Abwasser, das den Anforderungen des Gewässerschutzes nicht genügt, in die Limmat gelangt. Der neue Kanal soll diese Probleme lösen und die Umweltbelastung reduzieren.
Verbesserungen für Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr
Im Zuge der Arbeiten werden für den Fuss- und Veloverkehr Verbesserungen umgesetzt. Zufussgehende müssen das Trottoir künftig nicht mehr mit dem Veloverkehr teilen und erhalten im Abschnitt Drahtschmidliweg bis Walchebrücke mehr Platz. Mit einer neuen Bepflanzung und Sitzbänken wird das Trottoir zum attraktiven Aufenthaltsort aufgewertet.
Velofahrende profitieren von beidseitigen Einrichtungsradwegen zwischen dem Drahtschmidlisteg und der Walchebrücke. Die Veloführung zwischen der Walchebrücke und Im Stadtgraben wird derzeit noch ausgearbeitet.
Um ein stufenfreies Ein- und Aussteigen an der Haltestelle «Central» der Buslinie 46 zu ermöglichen, wird die Haltekante teilerhöht.
Baumfällungen
In der Externer Link:öffentlichen Projektauflage gemäss § 13 StrG im Juni 2024 war vorgesehen, alle Bäume am Neumühlequai zwischen dem Drahtschmidlisteg und Central entlang der Limmat zu fällen.
Im Abschnitt Walchebrücke bis Central wären die Baumfällungen nötig, um das Trottoir zu verbreitern und die Bushaltestelle «Central» hindernisfrei zu getalten. Um die Baumreihe in diesem Abschnitt weitgehend erhalten zu können, wird auf die Verbreiterung des Trottoirs verzichtet und die Haltekante für den Bus nur teilerhöht. Damit erfüllt die Stadt die Forderungen der Petition «Kastanienbäume Neumühlequai retten» teilweise. Gleichzeitig bleibt ausreichend Spielraum für die Umsetzung des Masterplans HB/Central, dessen konkrete Auswirkungen auf das Gebiet um den Hauptbahnhof und das Central heute noch nicht feststehen.
An der Fällung der Baumreihe im Abschnitt Drahtschmidliweg bis Walchebrücke muss festgehalten werden, damit Schutz & Rettung auch während der Bauarbeiten ungehindert ausrücken kann. Ihre grösste Sanitätswache ist am Neumühlequai stationiert und eine provisorische Spur ist in diesem schmalen Bereich nur auf dem Trottoir möglich. Dafür müssen 40 Kastanien weichen. 11 der Bäume sind jung und können vor dem Start der Bauarbeiten voraussichtlich an einen anderen Standort verpflanzt werden. 23 Bäume sind in einem so schlechten Zustand, sodass sie in den nächsten Jahren ohnehin gefällt werden müssten. 6 gesunde Bäume können aufgrund ihrer Grösse nicht verpflanzt werden und werden ebenfalls gefällt. Nach den Bauarbeiten werden alle Bäume ersetzt und durch zusätzliche Bäume ergänzt.
Verschiedene Varianten wurden untersucht
Die Stadt hat verschiedene Varianten untersucht, um die Baumreihe im Abschnitt Drahtschmidlisteg bis Walchebrücke zu erhalten. Sie hat diese jedoch wegen unverhältnismässig längeren Bauzeiten und höheren Kosten sowie dem schlechten Zustand der meisten vorhandenen Bäume verworfen.
Eine Ausfahrt der Rettungsfahrzeuge in Richtung Norden über die Wasserwerkstrasse, Stampfenbach- und Walchestrasse eignet sich als Umleitung nicht, da bereits der gesamte motorisierte Individualverkehr während der Bauphase über diese Verbindung geführt wird. Die erforderliche Hilfsfrist würde sich deutlich verzögern.
Bereits bei der Sanierung des Amthauses wurde geprüft, ob Schutz & Rettung provisorisch an einen anderen Ort verlegt werden könnte. Es gibt im nahen Umkreis keinen geeigneten Standort.
Es wurde geprüft, ob man eine ca. 300 Meter lange und 5 Meter breite Hilfsbrücke für Rettungsfahrzeuge zwischen der Sanitätswache und der Walchebrücke bauen kann. Die Kosten werden auf 5 bis 6 Mio. Franken geschätzt. Allerdings gilt im Gewässerraum ein grundsätzliches Bauverbot und eine Ausnahmebewilligung ist unsicher. Angesichts der hohen Kosten und der ungewissen Bewilligung wird der Bau einer Hilfsbrücke nicht weiterverfolgt.
Die Baupiste kann nicht gleichzeitig für Rettungs- und Baufahrzeuge genutzt werden. Bei jedem Rettungseinsatz müssten die Baufahrzeuge innerhalb von einer Minute die Baupiste räumen, was nicht gewährleistet werden kann. Wird die Baupiste als Rettungsweg verwendet, bleibt auf der Baustelle zu wenig Platz und alle Arbeiten könnten nur von der Stirnseite der Baugrube aus im sogenannten Überkopfverfahren erfolgen. Das macht den Bauablauf deutlich komplizierter, verlängert die Kanalbauzeit von etwa 70 auf ungefähr 170 Wochen und verursacht Mehrkosten von etwa 2 Mio. Franken. Deshalb ist diese Variante keine Option. Auch grabenlose Verfahren wie Microtunneling kommen aufgrund der Kanalgrösse, der geringen Überdeckung und der vorhandenen Werkleitungen nicht in Frage.
Im Abschnitt Walchetreppe bis Walchebrücke ist der Strassenraum breiter. Daher wäre es möglich, den neuen Kanal zwischen dem Bestandskanal und dem Gebäude zu bauen, um Platz für eine Rettungsachse neben der Baupiste zu schaffen. Durch die Nähe zum angrenzenden Gebäude von gut einem Meter besteht jedoch ein erhöhtes Risiko von Gebäudeschäden und es müssten Werkleitungen verlegt werden, weshalb von einer alternativen Kanallage in diesem Abschnitt abgesehen wird.
Schlechter Zustand bestehender Bäume
Im Zuge der Projektentwicklung wurde ein externes Baumgutachten erstellt und jeder einzelne Baum im Neumühlequai untersucht. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass vor allem die alten Bäume nur noch eine sehr begrenzte Lebensdauer haben. Zwischen 2018 und 2022 mussten 14 Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden, weil sie alt und geschwächt waren. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand der alten Bäume in ähnlichem Umfang verschlechtert und bis zum vorgesehenen Baubeginn im Jahr 2029 noch weitere alte Bäume entfernt werden müssen.
Das Gutachten beurteilt den Bestand im Jahr 2022. Zu diesem Zeitpunkt wurden ein Drittel der Altbäume als stark geschädigt bis absterbend bezeichnet. Leider hat sich dieser Trend durch den sehr trockenen Sommer 2023 fortgesetzt und die Gesundheit der Bäume hat sich weiter verschlechtert. Auch die Jungbäume am Neumühlequai sind von den schlechten Standortbedingungen wie Salzeintrag und begrenzte Wurzelräume betroffen. Ihr Wachstum liegt derzeit unter dem Durchschnitt wie es bei Strassenbäumen üblich ist.
Chance für langlebige Baumreihe
Die Bauarbeiten bieten die Möglichkeit, eine neue langlebige Baumreihe zu pflanzen, die widerstandsfähiger und an das künftige Klima angepasst ist. Gleichzeitig können die Standortbedingungen für ein optimales Wachstum der Bäume verbessert und eine langfristige hitzemindernde Wirkung erzielt werden.
Konkret werden die Wurzelräume von derzeit etwa 7 m3 auf 35 m3 pro Baum vergrössert und mit einem speziellen Baumsubstrat gefüllt. Durch die Verbindung der einzelnen Baumscheiben wird das Wurzelvolumen zusätzlich erweitert. Versickerungsfähige Beläge und die gezielte Zuführung von Regenwasser tragen ebenfalls zu verbesserten Lebensbedingungen der Bäume bei. Durch die deutlich besseren Wachstumsbedingungen und die Erhöhung des Baumbestands um 13 zusätzliche Bäume kann eine vergleichbare Wuchshöhe und Kronenfläche in 20 bis 30 Jahren nach der Neupflanzung erreicht werden.
Nächste Schritte
Das Projekt befindet sich derzeit in einer frühen Planungsphase. Bis Ende Juli 2024 lag es in einem Mitwirkungsverfahren gemäss § 13 StrG öffentlich auf. Das Projekt durchläuft nun weiterhin die vorgeschriebenen Planungsschritte bis zur Umsetzung. Derzeit werden die eingegangenen Einwendungen geprüft und voraussichtlich im Herbst 2025 ein Bericht mit Stellungnahmen zu den Einwendungen veröffentlicht. 2026 folgt die öffentliche Planauflage des ausgearbeiteten Strassenbauprojekts nach § 16 Strassengesetz. Der Baubeginn ist frühestens ab 2029 geplant.