
Im Baubereich A auf dem Areal MFO-West sind gemäss Sonderbauvorschriften (SBV) Neu-Oerlikon Kultur, Gewerbe und Dienstleistungen sowie quartierbezogene öffentliche Nutzungen vorgesehen. Es wurde ein Entwicklungspotenzial von rund 20’000 Quadratmeter anrechenbarer Geschossfläche definiert.
Neben diesen Vorgaben setzt die städtische Vision für das Areal MFO-West Leitplanken in Bezug auf die Kultur als Impulsgeberin sowie in Bezug auf das Klimaziel Netto-Null und Kreislaufwirtschaft.

Die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) zählte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den grössten Betrieben des Kantons Zürich. Industriegebäude prägen die Atmosphäre des Ortes bis heute massgeblich, auch wenn durch die bauliche Transformation des Quartiers in den vergangenen Jahren verschiedenste neue Nutzungen etabliert wurden.
Mit dem Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft soll dieser Prozess auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik weitergeführt und akzentuiert werden. Es soll ein Ort entstehen, der offen ist für das Quartier und gleichzeitig über das Quartier und die Stadt hinausstrahlt.
Im Rahmen einer Nutzungs- und Potenzialstudie wurde evaluiert, wie ein Haus gebaut werden kann, in dem Kulturschaffende und Gewerbeunternehmen nicht nur unter dem gleichen Dach beheimatet sind, sondern auch zusammenarbeiten und sich gegenseitig inspirieren.
Dazu wurden drei verschiedene Fallstudien erarbeitet, welche sich mit Fragen der Logistik, der räumlichen Struktur und der Adressierung nach aussen auseinandersetzen. Es hat sich gezeigt, dass die Anordnung von Interaktionsräumen und die gebäudeinterne Erschliessung die Gebäudestruktur prägen. Weiter wird der Baubereich A, und somit das HKK, Aufgaben bezüglich der Anlieferung für das Gesamtareal übernehmen müssen.
Das Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft:
- bringt mehr Kultur nach Oerlikon
- ist ein Labor, eine Werkstatt und Bühne für Neues
- verbindet Gewerbe, Kreislaufwirtschaft und Kultur
- belebt das Quartier und bietet mietbare Arbeits- und Veranstaltungsräume
- braucht ein robustes, flexibles Gebäude mit viel Interaktionsflächen
Anna Schindler ist Wirtschaftsgeografin und seit 2011 Direktorin Stadtentwicklung der Stadt Zürich, Murielle Perritaz studierte Sozialarbeit und Soziokultur, machte in Dijon einen Master in Kulturmanagement und ist seit 2021 Co-Direktorin von Kultur Stadt Zürich – gemeinsam nehmen sie Stellung zum geplanten Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft.
Anna Schindler: Das Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft ist ein Arbeitstitel, der beschreibt, welche zwei Themen und Bereiche in diesem Projekt zusammenkommen sollen.
Murielle Perritaz: Es gibt einen Bedarf im Quartier nach zusätzlichen identitätsstiftenden Kulturorten sowie Orten gewerblicher Produktion – etwa im Bereich von Startups oder Kreislaufwirtschaft.
Anna Schindler: Der Baubereich A (heute Halle D) stellt eine städtische Reserve mit einer interessanten Ausnützung dar – und dies nicht in der Wohnzone. Deshalb ist es der ideale Ort für ein zukunftsgewandtes Experiment.
Murielle Perritaz: Wir glauben, dass sich Kultur und Kreislaufwirtschaft in einem einzigen Gebäude so verbinden lassen, dass daraus ein Mehrwert entsteht. Ziel ist es, Synergien zwischen Kultur und Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
Anna Schindler: Im Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft – kurz HKK– soll mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus von Materialien produziert und gearbeitet werden. Indem z.B. Veranstaltungsräume und Infrastruktur gemeinsam genutzt oder Rest- und Abfallmaterial für die Kunstproduktion wiederverwendet werden.
Murielle Perritaz: Das Quartier erhält einen spannenden Ort und einen neuen Anziehungspunkt mit niederschwellig nutzbaren, attraktiven Publikumsangeboten.
Anna Schindler: Das HKK ist zu einem Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft und Kultur geworden, in dem Akteur*innen beider Bereiche zusammenarbeiten und alle möglichen Synergien nutzen. Damit ist es einzigartig in Europa und hat eine entsprechende Strahlkraft entwickelt.
Die Studie macht deutlich, dass für die Idee eines HKK auf dem Baubereich A ein zweckmässiges Gebäude erstellt werden kann, welches die Herausforderung der Logistik bewältigen und auf Erdgeschossebene sein Umfeld aktivieren kann.
Im Rahmen der Vertiefungsphase und auf Basis der Resultate der Studie wird die Umsetzbarkeit von Erstellung und langfristigem Betrieb eines HKK überprüft. Mögliche Betriebsmodelle, Kosten und Finanzierung stehen dabei im Zentrum.
Die Arealentwicklungsstrategie MFO-West wird die Integration der Projektidee HKK auf dem Baubereich A ermöglichen.