Die Genossenschaft Skylla Strom realisiert in Zürich und Umgebung umweltgerechte Elektroprojekte. Das 18-köpfige Team plant massgeschneiderte Installationen sowie komplexe Gebäudeinfrastrukturen und installiert Photovoltaikanlagen. Der Elektroinstallateur Reto Nyfeler erzählt im Interview, wie die Nachhaltigkeit im Betrieb Einzug hält.
Das 1999 gegründeten Elektrounternehmen Skylla Strom verfolgt das Ziel, dass Strom auf möglichst effiziente und nachhaltige Weise in die Steckdose fliesst. Dafür erschliesst das Team erneuerbare Stromquellen und fährt mit dem Fahrrad zur Kundschaft oder auf die Baustelle.
Herr Nyfeler, Skylla Strom ist auf nachhaltige Lösungen spezialisiert. Was bedeutet das konkret?
Wir setzen umweltschonende Energieprojekte um. Zum Beispiel installieren wir Photovoltaikanlagen, die aus der Kraft der Sonne erneuerbaren und nachhaltigen Strom produzieren. Wir sorgen dafür, dass der Strom vom Dach in die Steckdosen, aber auch in die Ladestation des E-Fahrzeugs fliesst. Weil wir unsere Kundschaft mehrheitlich mit dem Fahrrad besuchen, sind wir besonders nachhaltig.
Elektroinstallateur*innen auf Velos – das klingt ziemlich aussergewöhnlich.
Wir sind einzigartig im Raum Zürich. Dank der zentralen Lage unseres Standorts im Kreis 4 können wir 60 Prozent unserer Kund*innenbesuche mit dem Fahrrad durchführen. Unsere Fahrzeugflotte besteht aus vier Lastenfahrrädern und drei Elektrovelos mit Anhängern. Weil auf dem Velo nicht viel Material Platz hat, überlegen wir genau, was wir mitnehmen. Fehlt ein Bauteil, lassen wir es per Velokurier nachliefern. Zur Flotte gehören ausserdem vier Autos, wovon eines elektrisch betrieben ist. Wir testen aktuell, ob wir die Benziner durch weitere Elektrofahrzeuge ersetzen.
Sie müssen also gut planen. Haben Sie auch Vorteile durch die nachhaltige Mobilität?
Wir müssen weniger Parkplätze suchen und haben deutlich weniger Parkkosten und -bussen als andere Betriebe. Fast die Hälfte unserer Mitarbeitenden und alle Lernenden besitzen keinen Fahrschein. Die Veloflotte ist zudem ein wirksames Werbemittel – wir fallen auf. Die Kundschaft schätzt unser ökologisches Engagement sehr.
Warum sind Sie nicht komplett auf Velos umgestiegen?
Baustellen ausserhalb der Stadt erreichen wir nicht mit dem Fahrrad. Ausserdem benötigen wir mehr Material, wenn wir Solaranlagen installieren. Die Wechselrichter, die es dafür braucht, sind im Durchschnitt 30 Kilogramm schwer. Wir könnten sie zwar zu den Kund*innen nach Hause liefern lassen, aber das ist riskant. Das Material ist zu teuer, um es unbeaufsichtigt herumstehen zu lassen.
Welche weiteren nachhaltigen Massnahmen setzen Sie im Betrieb um?
Den Pendler*innen im Team bezahlen wir ein Abo für den öffentlichen Verkehr. Nach Feierabend können sie gemütlich im Zug und Bus sitzen und müssen nicht im Stau stehen. Das überzeugt sogar die leidenschaftlichsten Autofahrer*innen in unserer Genossenschaft.
Als Elektrounternehmen können Sie erheblichen Einfluss auf die nachhaltige Energieausstattung Ihrer Kundschaft nehmen. Zum Beispiel bei der Installation einer energieeffizienten Beleuchtung.
Ja, da haben wir einen Einfluss. Glücklicherweise sind heute hauptsächlich noch LED-Beleuchtungen auf dem Markt. Alte, energie-ineffiziente Leuchtstoffröhren sind nicht mehr gewünscht, und daher ist es nicht nötig, dass wir Überzeugungsarbeit bei Architekt*innen oder Kund*innen leisten.
Und wie halten Sie es mit der Kreislaufwirtschaft?
Wir sammeln alte Elektrokabel und bringen sie zum Recyclinghof. Die Kupferdrähte werden eingeschmolzen und als Rohstoff wiederverwertet. Ob aus den Kunststoffhüllen auch Plastikgranulat hergestellt wird, weiss ich nicht. Es wäre wünschenswert. Altes Elektromaterial sammeln wir separat, können es jedoch selten wiederverwenden, weil es die neuen Sicherheitsauflagen nicht erfüllt oder nicht mehr funktionstüchtig ist.
Sie unternehmen bereits vieles im Bereich der Nachhaltigkeit, konnten Sie noch Neues aus der Öko-Kompass Beratung mitnehmen?
Bürogeräte liessen wir bislang rund um die Uhr eingeschaltet. Neuerdings werden wir sie nach Feierabend komplett ausschalten, um den unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden, den die Geräte im Stand-by-Modus verursachen. Ausserdem versuchen wir, im Büro noch weniger Papier zu benutzen oder Recyclingpapier zu verwenden.
Gab es weitere Massnahmen, die Ihnen empfohlen wurden?
Ja, vor allem bei der Gebäudeinfrastruktur. Nur stossen wir hier leider an unsere Grenzen. Wir sind Untermieter und können nicht bestimmen, dass die Gasheizung im Gebäude durch eine erneuerbare Wärmelösung ersetzt wird. Wir werden aber mit dem Hauptmieter klären, ob wir ein nachhaltigeres Stromprodukt beziehen könnten. Die anderen Betriebe, die hier eingemietet sind, müssten damit allerdings auch einverstanden sein.