Welche Ausbildungen hat die Zürcher Bevölkerung abgeschlossen? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen? Hat die Herkunft einen Einfluss darauf, welches Schulzeugnis man vorweisen kann? Dieser Artikel gibt Auskunft über die Bildungsabschlüsse der Stadtzürcher Bevölkerung.
Die weitest verbreitete Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit ist die berufliche Grundbildung; 40 Prozent der Wohnbevölkerung haben eine Berufslehre oder eine ähnliche Ausbildung absolviert. Doch nur für knapp 30 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher ist dies die höchste abgeschlossene Ausbildung. Rund 10 Prozent bilden sich nach dem Lehrabschluss oder dem Handelsdiplom weiter. Viele haben eine Hochschule besucht: Beinahe jede dritte Person der Zürcher Bevölkerung hat einen Abschluss einer Universität, der ETH oder einer Fachhochschule.
Vier von zehn Einwohnerinnen und Einwohnern Zürichs können eine berufliche Grundbildung vorweisen. Ein Blick auf die verschiedenen Altersgruppen lässt jedoch erkennen, dass die Lehre als höchste abgeschlossene Ausbildung an Bedeutung verloren hat. Viele jüngere Personen bilden sich danach weiter, zum Beispiel an einer Fachhochschule. Bei den über 65-Jährigen haben mehr als doppelt so viele eine Berufslehre als höchsten Abschluss wie bei den unter 35-Jährigen.
Die Bedeutung der Universitäten und Fachhochschulen hat stark zugenommen: Fast die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen besitzt einen entsprechenden Abschluss. Allgemein lässt sich ein starker Trend hin zu höheren Abschlüssen feststellen. Dies ist sicherlich auch auf das vielfältigere Angebot an Bildungswegen und die grössere Durchlässigkeit im Bildungssystem zurückzuführen.
Früher kamen Männer viel häufiger in den Genuss einer höheren Bildung. Dieser Geschlechterunterschied ist bei der älteren Bevölkerung deutlich sichtbar. Bei den 25- bis 34-Jährigen liegt der Anteil der Personen mit Hochschulabschluss bei den Männern nur noch leicht höher als bei den Frauen. Und inzwischen sind mehr als die Hälfte der in Zürich eingeschriebenen Studierenden weiblich (siehe Publikation Geschlechterunterschiede an Schulen und Hochschulen).
Ausländische Personen der ersten Generation lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Ausländerinnen und Ausländer, die länger als zehn Jahre in Zürich wohnen, verfügen eher über eine relativ tiefe Schulbildung. Personen, die seit weniger als fünf Jahren in Zürich ansässig sind, sind besonders gut ausgebildet. Mehr als die Hälfte der in den letzten fünf Jahren nach Zürich zugewanderten ausländischen Personen haben einen Hochschulabschluss. Die in der Schweiz geborenen Ausländerinnen und Ausländer, die Secondos, haben hingegen überdurchschnittlich oft Berufslehren abgeschlossen und nur selten einen Hochschulabschluss.
Ein Vergleich der Schweizer Einwohnerinnen und Einwohner Zürichs mit der ausländischen Bevölkerung zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer die Besonderheiten des hiesigen Bildungssystems nutzen: Sie haben seltener Hochschulabschlüsse als die Ausländer, jedoch doppelt so häufig höhere Fach- und Berufsausbildungsabschlüsse. Auch die Berufslehre als höchster Abschluss ist bei den Schweizer Personen verbreitet, mit einem Anteil von 36 Prozent jedoch weit weniger als bei den Secondos.
Die Strukturerhebung 2010
Die Strukturerhebung ist Teil der neuen Volkszählung. Knapp 40 000 Personen der Stadtzürcher Bevölkerung wurden zu Themen wie Familie, Religion, Sprache und Arbeit befragt. Der Fragebogen konnte schriftlich oder online ausgefüllt werden. Stichtag war der 31. Dezember 2010. Zur Grundgesamtheit der Stichprobe zählen Personen der ständigen Wohnbevölkerung, die mindestens 15 Jahre alt sind und in einem Privathaushalt wohnen.
Für diesen Artikel wurden nur Personen ab 25 Jahren betrachtet.
Obligatorische Schule, Brückenangebot: Abgeschlossene acht- oder neunjährige obligatorische Schule, 10. Schuljahr, Vorlehre oder ein vergleichbares Brückenangebot.
Berufliche Grundbildung: Anlehre, zwei- bis vierjährige Berufslehre oder Vollzeitberufsschule, Handelsdiplom, Lehrwerkstätte und vergleichbare Abschlüsse.
Allgemeinbildende Schule: Gymnasiale Maturität, Berufs- oder Fachmaturität, Lehrkräfte-Seminar, Diplom- oder Fachmittelschule, Verkehrsschule und vergleichbare Abschlüsse.
Höhere Fach- und Berufsausbildung: Höhere Fach- und Berufsausbildung mit eidgenössischem Fachausweis, Diplom oder Meisterdiplom, Technikerschule, höhere Fachschule, HTL, HWV, HFG, HFS oder ähnliche Ausbildung.
Universität, ETH, Fachhochschule: Abschlüsse auf Bachelor- Lizentiats- oder Masterniveau, Abschlüsse der pädagogischen Hochschulen oder höhere Abschlüsse